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Eine Hütte aus Holz 6,10×3 Meter mit einem Dach aus Wellblech, 3 Fenstern und einer Tür

Ich hatte mir so viele Male vorgenommen endlich wieder zu schreiben, hatte so viele Themen, die ich euch so gerne mitteilen würde aber aus verschiedensten Gründen hab ich einfach “nichts zu Papier” gebracht.

Jetzt möchte ich euch aber gerne erzählen wie ich meine letzten beiden Wochenenden verbracht habe, dazu muss ich allerdings ein wenig ausholen:
Vor kurzem fragte man mich ob ich in einer der nächsten Konstruktionen “Jefe de Escuela” – (Chef einer Schule,  so nennen wir die Leute bei Techo, die einen Großteil der Organisation der Konstruktion übernehmen) sein möchte. Da wir in der Regel in Schulen schlafen und die Jefe de Escuela (JE) auch für die Freiwilligen verantwortlich sind entsteht eben der Name “Chef der Schule”. Nach kurzem Überlegen sagte ich zu, eigentlich hatte ich schon die Hoffnung aufgegeben vor meiner Abreise diese Aufgabe übernehmen zu dürfen also freute ich mich riesig.

Bereits Letzen Sonntag verbrachte ich gemeinsam mit meinem CoChef “Fer” quasi einen kompletten Tag  im Viertel San Roque, wo unsere Konstruktion in 2 Wochen stattfinden wird. Und auch heute und gestern waren wir wieder dort unterwegs. Das Viertel liegt direkt am Fluss und weil der Fluss in letzter Zeit wieder einmal angestiegen ist mussten bereits einige Familien ihrer Häuser verlassen und sich weiter “oben” eine noch notdürftigere Bleibe aus einer Art Spanholzplatten zusammenbasteln. Die Wege in San Roque bestehen größtenteils aus Sand, der sich natürlich zurzeit in eine Matschpiste verwandelt hat.

Unsere Aufgabe war es die 4 Familien kennen zu lernen, für deren Konstruktion wir zuständig sind. Außerdem haben sich diese Familien verpflichtet wöchentlich einen Geldbetrag zu zahlen, denn die Häuser, die wir bauen sind nicht etwa geschenkt sondern die Familie zahlt etwa 10% der Kosten. Das sind umgerechnet ca. 100 Euro jede Menge Geld für Familien, die zB: von 40 Euro in der Woche leben müssen. Eine Familie konnte bereits letzten Sonntag die komplette Summe vervollständigen, eine andere konnte uns heute das letzte Geld zahlen. Aber nicht immer ist der Besuch der Familien von so fröhlicher Natur, denn eine unserer 4 Familien musste uns heute leider mitteilen, dass sie nicht in der Lage sein werden den Rest des Hauses zu bezahlen. Die Mutter der Señora ist krank geworden und nun müssen sie sie finanziell unterstützen, denn eine Krankenversicherung können sich hier nur wenige Leute leisten. Wir gaben ihr als das bereits gezahlte Geld zurück und nahmen den Vertrag wieder mit. Für mich war das eine sehr traurige Situation, habe ich letzte Woche noch fröhlich mit den Kindern und der Mutter Seilchen springen können nachdem alle Formalitäten geklärt waren, trafen Fer und ich heute auf eine traurig reinschauende Frau und einen sturzbetrunkenen Ehemann…

Aber wo Schatten ist, da ist auch immer Licht… die Konstruktion in 2 Wochen ist für 4 Familien angelegt, also hatten Fer und ich die schwierige Aufgabe eine neue Familie auszuwählen. So schwer auch die Auswahl fiel, die wir anhand von Fragebögen und Besuchen bei den Familien fällen mussten, so schön war dann das Gefühl in die strahlenden Augen einer Familie blicken zu können die seit 2011 in unserer  Datenbank als “bedürftig” vermerkt ist und ihnen sagen zu können, dass wir ihnen ihr Haus bauen können.
Normalerweise bekommen die Familien ca. einen Monat vor Bau Bescheid und können sich so auch auf die Kosten vorbereiten, diese Möglichkeit hat diese Familie nun leider nicht. Aber ich hoffe durch die große Unterstützung von Geschwistern und Eltern, der Familie können sie die Summe zusammentragen.

Des Weiteren mussten wir heute die bereits gestern gelieferten Wellbleche für die Dächer und verschiedenste Latten in einem der Grundstücke, in dem gebaut wird lagern. Gestern Abend brachte uns nämlich ein kleiner Lkw die vorgefertigten Hauswände und alles was noch so dazugehört. In strömendem Regen und mit bereits einsetzender Dunkelheit luden wir mit gut 20 Freiwilligen das komplette Material ab. Während wir die Wände beruhigt auf dem “Plaza” liegen lassen können – sie sind zu schwer um einfach unbemerkt davon getragen zu werden, mussten wir alles was kleiner und mehr oder weniger handlicher war bei einer Nachbarin zwischenlagern, dort können die Sachen aber nicht bis zur Konstruktion bleiben. Da wir heute nur zu 4 waren, weil der Rest der Freiwilligen in einer laufenden Konstruktion beteiligt war, mussten wir um die Teile für 4 Häuser zu transportieren  eine andere Lösung finden als sie alle per Hand zu dem ausgewählten Grundstück zu tragen. Glücklicher Weise kannten wir bereits einige Familien im Viertel und so konnten wir uns vom Zusammenschluss der Recycler ein Motorrad mit einer kleinen Ladefläche hinten dran ausleihen und alles an seinen Platz bringen.

Es fällt mir schwer in diesem Text deutlich zu machen wie emotional eigentlich all diese Tage sind, jedes Mal wenn ich eine Familie näher kennen lerne, mit den Kindern spiele oder  zum Essen eingeladen werde, wenn ein Vater mir erzählt das er alles in seiner Macht stehende versuchen wird um seiner kleinen Familie endlich ein sicheres Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Wenn ich sehe wie Tag für Tag Menschen, in eigentlich unmenschlichen Zuständen leben aber den Mut und die Hoffnung nicht aufgeben und alles versuchen um ihr Leben zu verbessern. Wenn ich vor den abgebrannten Stümmeln eines Hauses steht und dahinter das gerade fertiggestellte neue Haus sehe und mich die Besitzerin freudig in den Arm nimmt ohne überhaupt meinen Namen zu kennen, mich auf Tortillas einlädt und mir nebenbei erzählt das ihr Mann im Gefängnis ist, weil er sie gegen einen Einbrecher verteidigt hat und diesen dabei umgebracht hat, wie sie mir dann die Narbe zeigt, die der Einbrecher in ihrer Brust hinterlassen hat und um sich zeigt und sagt sie sei jetzt eben allein mit ihren 11 Kindern. Trotzdem hat sie sich heute eine Stunde Zeit genommen um ihren Mann im Gefängnis zu besuchen, schließlich wird sie ja morgen operiert.

Dann frag ich mich manchmal, wie viel kann ein einzelner Mensch eigentlich aushalten, wie viel sollte er aushalten müssen bis ihn endlich jemand an die Hand nimmt und ihm einen Teil der Last abnimmt. Was kann ein einzelner Mensch alles verpacken, oftmals runterschlucken, bis es einfach nicht mehr geht.

Und doch sehe ich ein Lächeln, ein ehrliches freudiges Lächeln über eine Hütte aus Holz 6,10×3 Meter mit  einem Dach aus Wellblech, 3 Fenstern und einer Tür.

 

Um den letzten Artikel nicht ganz allein stehen zu lassen möchte ich noch berichten, dass in San Blas mittlerweile ein Mesa de Trabajo, also mal frei übersetzt eine Arbeitsgemeinschaft gebildet wurde. Und auch wenn aller Anfang schwer ist so wird bereits ein erstes Projekt durchgeführt indem sich die Nachbarschaft entschlossen hat eine Mauer zu bauen um einen kleinen Fluss vor Müll zu schützen, damit dieser bei viel Regen dann nicht aufgestaut wird und das passieren zur Grundschule unmöglich macht.

 

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Posted by on May 6, 2013 in Vorbereitungszeit

 

Frische Luft und Sonnenstrahlen

“Wir fahren ins Bañado Sur, hast du Lust mitzukommen?”, “Ja, klar! Vamos!”. Juhu endlich ein bisschen rauskommen aus dem Buero, weg vom Pc, weg vom Schreibtischstuhl, ein bisschen die frische Luft und die Sonne geniessen – oder?

Der erste Schritt aus dem Buero zeigt schon mit geniessen hat das nicht mehr viel zutun, wenn die Sonne mit ueber 40C auf einen runterknallt und man in langen Jeans ueber den Gehweg laeuft. Aber gut einen Besuch in einem der Viertel, in denen wir arbeiten finde ich immer spannend, denn die Arbeit im Buero ist doch eher theoretisch und man kommt wenig in Kontakt mit den wirklich betroffenen Menschen. Das Bañado Sur ist ein grosses Armenviertel, das in viele kleinere Teile – Barrios unterteilt ist, es liegt am Rande der Muelldeponie Asuncións und somit sind ein Grossteil der Bewohner auch taeglich bei ihrer Arbeit mit Muell in Kontakt. Sie arbeiten als Muellmaenner, Recycler, Sortierer…

Wir stellen unser Auto in einer durchschnittlichen Wohngegend vor dem Bañado ab. An uns vorbei scheppern im Sekundentakt Muellautos, Lastwagen und Wagen gezogen von rappel duennen Pferden, beladen mit dem was wir alle hier in Asunción jeden Tag produzieren, jede Menge Muell, gefahren von Maennern, Frauen, Senioren, teilweise Jugendlichen oder sogar Kindern. Die Strasse ist eine ziemliche Katastrophe, ueberall Schlagloecher und ueberall Muell. Zu Fuss machen wir uns auf den Weg nach San Blas, das Barrio in dem Techo sein neues Projekt Habilitación Social in diesem Jahr beginnen moechte.

Einen leichten Huegel hinunter laufen wir also auf eine grosse Ansammlung Haeusser und Huetten zu, neben der Strasse sprudelt aus welchem Grund auch immer braeunliches Wasser aus dem Boden und bildet einen grau-gruenen Fluss, der einer Kloake aehnelt, hinter dem naechsten Huegel sieht man die Ansaetze der Muellhalde. Ja mit der frischen Luft ist es jetzt auch endgueltig vorbei…

Wir besuchen den sogenannten “President” des Barrios um mit ihm zu besprechen ob er Interesse an einer Zusammenarbeit hat und uns bei der Organisation, der Versammlung mit moeglichst vielen Familien aus dem Viertel hilft. Er willigt ein und ist gerne bereit uns zu helfen. Etwas seltsam ist es doch, das er in einem normalen Haus wohnt, aus Backsteinen, vor seiner Tuer steht ein Gelaendewagen und um sein Grundstueck ist ein hoher Zaun – habe ich doch auch schon Barrios besucht in denen der President in einer Huette aus Pappe, Planen, Holzlatten und Wellblech wohnte. Wir besuchen noch eine kleine Radiostation um auch dort um Mithilfe zu bitten, das Gesundheitszentrum hat leider schon geschlosssen, wir hatten uns erhofft dort mehr Informationen ueber die Anzahl der hier lebenden Familien zu bekommen, schwanken die Angaben doch zwischen 60 und 300 Familien!!! Wir verabschieden uns und eine Weile laufen wir noch durch San Blas, man fuehlt sich hier zunaechst mal  von nichts bedroht oder beaengstigt, es ist eher ruhig, die meisten Menschen arbeiten. Vor vielen Haeussern sitzen aber auch, meist, Frauen und trinken Terere, unterhalten sich, daneben spielen Kinder. Hier und da hoert man einen Hahn kraehen,… eigentlich doch recht idyllisch – mittlerweile rieche ich den Muell auch schon nicht mehr. Doch dann faellt der Blick wieder auf den Weg, ueberall staut sich Brackwasser in den Wegen, nun gut mag man sagen nicht besonders schoen oder praktisch… aber von diesem Wasser geht noch eine ganz andere Gefahr aus – Dengue! Im Moment ist “Hochsaison” des von Muecken uebertragenen Denugefiebers das besonders bei einer 2. Infektion oft einen hochgefaehrlichen Krankheitsverlauf hat.
Auf unserem Weg durch die Haeuser laden wir immer wieder Familien ein zur Versammlung am naechsten Sonntag zu kommen und doch bitte auch die Nachbarn zu informieren. Viele erzaehlen uns von Problemen, die sie in ihrem Viertel sehen, es geht um Drogen, Arbeitslosigkeit, fehlende Motivation, Dengue, die Strassenverhaeltnisse…
Das Barrio selbst zeigt sich von der Haeusersituation besser als ich es aus anderen Gegenden gewoehnt bin, immer wieder sieht man Haeuser aus Stein, die recht stabil aussehen, hier und da entdecken wir auch ein Techo-Haus denn auch in diesem Barrio wurde vor einiger Zeit konstruiert. Auf den Wegen winken uns immer wieder Kinder zu, die Nachbarn gruessen freundlich und es scheint doch irgendwie eine ganz normale Nachbarschaft zu sein.

Wir gehen zurueck zum Auto und fahren. Auf dem Weg zurueck ins Buero, vorbei an den immer zahlreicher werdenen Buerogebaeuden und Malls, schweifen meine Gedanken nocheinmal durch das Barrio. Vieles hat mich ehrlich geschockt, auch wenn ich mitlerweile schon einige Viertel gesehen habe war das doch nochmal etwas anderes, der viele Muell und der starke Geruch haben mich ueberwaeltigt und doch sind die Mensch dort so wie du und ich. Sie arbeiten hart um sich das aufzubauen was sie haben, es ist vielleicht noch nicht viel aber es ist ein Anfang. Ich hoffe wirklich, dass sich in der Versammlung am Sonntag herrausstelt, dass die Nachbarschaft bereit ist mit uns zusammenzuarbeiten und motiviert ist etwas zu veraendern. Denn jeder Mensch hat das Potenzial etwas aus sich zu machen, wenn man ihm die Chance dazu gibt.

*Eigentlich wollte ich noch ueber Weihnachten, Sylvester und meinen Urlaub nach Brasilien berichten… ich hatte auch schon angefangen zu schreiben, aber nachdem ich gestern im Barrio war, war mir der Drang darueber zu berichten irgenwie groesser. Der andere Artikel folgt sobald ich ihn fertig geschrieben habe.

Liebe Gruesse aus Paraguay!!!

 
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Posted by on January 24, 2013 in Vorbereitungszeit

 

Chile

Jedes Mal, wenn ich ein fremdes Land betrete bin ich gespannt was ich dort wohl alles erleben werde welche neuen Erfahrungen und Eindrücke werde ich machen, was für Eigenarten und Besonderheiten werde ich entdecken – wird es mir wohl gefallen, werde ich mich wohl fühlen?

Nun dadurch das ich mittlerweile recht sicher Spanisch spreche, nicht fehlerfrei aber fast ;), eröffnen sich natürlich besonders in Lateinamerika ganz neue Möglichkeiten des Reisens. Man ist nicht mehr so sehr Tourist und Fremder.  Aber nun genug herumgeschwafelt euch interessiert bestimmt mehr was ich in Chile so getrieben habe.

Tag 1:

Ich kam am ersten Tag meiner Reise gegen späten Nachmittag am Flughafen von Santiago an, wo ich auch gleich von meiner Gastschwester und einer chilenischen Freundin empfangen wurde :). Wir machten uns auf durch den, im Vergleich zu Paraguay sehr geordneten, Verkehr (hier gibt es Fußgängerampeln und die Zebrastreifen werden respektiert!) zum Apartment eines Cousins bei dem Angeles und ich freundlicherweise auf dem Sofa beachten durften! – GRACIAS! An diesem Tag lernte ich außerdem Mariannes wunderbar nette Familie kennen und wir besuchten ihre Universität, die furchtbar romantisch in den Bergen am Rande von Santigao liegt und super modern und stylisch ist.

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2. Tag:

Den 2. Tag starteten Angeles und ich im 13. Stock des Wohngebäudes bei strahlendem Sonnenschein im eisigen Pool. Danach gab Marianne uns eine Tour durchs Centro Santiagos, dabei durften natürlich die wichtigsten politischen Gebäude, wie der Präsidenten Palast nicht fehlen, aber auch ein Besuch in der nationalen Bibilothek, auf einem Kunsthandwerksmarkt (auf dem ich mir eine Lamajacke für den kalten Winter in Deutschland kaufte) und ein leckeres Eis durften dabei natürlich nicht fehlen.

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3.Tag:

Da wir am Vortag durch halb Santiago gelaufen waren bei 32°C erlaubten wir es uns am 3. Tag ein bisschen länger zu schlafen und trafen uns erst zum Mittagessen mit Marianne. Wir fuhren in ein sehr abgedrehtes Restaurant von dem ich leider keine Fotos mit meiner Kamera habe – folgen dann später ;). Jedenfalls bestand die Deko zum Beispiel aus in Bäumen aufgehangenen Brautkleidern, mit Gras bepflanzten Betten und einem Baldachin aus zusammengenähten Kleidungsstücken. Danach begann wohl das Highlight der kompletten Reise ein nächtlicher Ausritt in den Bergen am Rande Santiagos stand an. Zu dritt fuhren wir mit dem Jeep auf ein Anwesend in den Bergen, dort warteten schon etwa 30 Pferde auf uns sowie einige Guides die uns begleiten sollten. Jedem wurde ein Pferd zugewiesen, meines hieß sehr kreativ “La chica”, was so viel wie “Das Mädchen” heißt . Dann ging es in der Dämmerung los zunächst bergab die Straße herunter, später dann den Berg hinauf über kleine Trampelpfade. Schnell wurde es immer dunkler und bald schon sah man kaum mehr wohin man eigentlich ritt und ich verbrachte einen großen Teil der Zeit dicht über den Hals von meinem Pferd gebeugt um Ästen und Dornen auszuweichen. Bald öffnete sich dann aber die Sicht und was man sah war einfach nur traumhaft schön, unter uns lag die Stadt bei Nacht in viele goldig, gelbe Lichter getaucht. Nach einer ganzen Weile erreichten wir unser Ziel und auch dort erwartete uns etwas wunderbares, Grillen über dem offenen Lagerfeuer stand an, zunächst reichte man kleine knäckebrotartige, kreisrunde Brote herum, die mit einer Mischung aus einer Art Tomaten und Zwiebelsalat “belegt” waren, außerdem konnte man sich mit allerhand Getränke erfrischen, neben Saft und Softdrinks, gab es köstlichen chilenischen Rotwein, Whiskey, Bier und Pisco. Später wurde dann das fertige Fleisch herumgereicht und man konnte sich am Salatbuffet bedienen. Im Hintergrund lief traditionell chilenische Musik – Cuenca und auf einer Leinwand wurden Bilder von Ausritten in ganz Chile gezeigt. Nach dem Festessen wurde dann noch Nussschokolade herum gegeben und als dann plötzlich jemand “Mirar!! La Luna!, rief und er Vollmond zwischen zwei Bergspitzen hervor kam, war meine kleine Welt perfekt. Da jeder auf dem gleichen Pferd zurück reiten sollte fing dann nach ca. 2 Stunden die große Suche an, denn wer erkennt schon sein Pferd, das er seit einigen Stunden erst kennt in stockdunkler Nacht zwischen vielen anderen…Der Abstieg erfolgte dann zum Glück auf einem kürzeren Weg, Gott sei dank, denn einige Teilnehmer saßen doch etwas schief im Sattel ;).

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4. Tag:

Am nächsten Tag wanderten Angeles und ich auf eigene Faust durch Chile unser Ziel der Cerro San Cristobal – ein Berg auf dem eine riesige, weiße Jungrauenstaute steht, die über Santiago zu schauen scheint. Leider mussten wir die Straße hinauflaufen, denn uns wurde gesagt, dass die kleinen Pfade unter der Woche zu wenig besucht und damit zu gefährlich seien. Trotzdem bot sich ein atemberaubender Anblick über Santiago aus verschiedensten Perspektiven. Wir verharrten einige Zeit am Standbild und blickten über die Stadt. Später probierten wir noch Mote con Hesillo, einen traditioneller, super leckerer chilenischer Nachtisch – bestehen aus Pfirsichen und deren Saft bzw Nektar und gekochtem und geschältem Weizen. Hört sich nach einer seltsamen Kombination an? Ist es auch aber mir hat es nach anfänglicher Skepsis wirklich super geschmeckt! Auf dem Rückweg begegneten wir dann noch einer unangenehm großen Spinne, die ich einfach mal als Vogelspinne klassifiziere – so stell ich mir die Dinger zumindest vor… Den Abend ließen wir dann mit Freunden meiner Gastschwester in einer Bar ausklingen.

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5. Tag:

Der 5. Tag verlief eher unspektakulär, denn wir verbrachten viel Zeit in einem großen Shoppincenter, wo wir leider dank der unglaublichen teuren Preise in Chile nichts kauften außer Essen 😉 :D.

6.Tag:

Am Samstag machten wir uns dann auf ein bisschen mehr von Chile zu erkunden als nur Santiago. So ging es mit dem Bus richtung Valparaiso, etwa 1 1/2 Stunden von Santiago liegt die erste Hafenstadt Chiles, eigentlich sogar nur der erste Hafen Chiles, denn bei seiner Gruendeung zaehlte Valparaiso noch zu Santiago erst spaeter dann wurde es zu einer eigenstaendigen Stadt. Gemeinsam mit Marianne kamen Angeles und ich bei einem Cousin von Marianne unter. Er gab uns dann auch gleich eine Stadtfuehrung durch die bunte Hafenstadt, die wohl einige der verruecktesten Haeuserkonstruktionien der Welt aufweisst. Denn viele Haeuser, mit unglaublich wackelig aussehenden Konstruktionen an den Hang gebaut. Wir besuchten ein typisches Restaurant, in dem jeder der vorbeikommt einen persoenlichen Gegenstand oder ein Foto hinterlassen kann, ausserdem sind auch an die Waende und Tische ueberall kleine Notizen gekritzelt, ein wirklich verruecktes Samulsorium aus der ganzen Welt. Ausserdem besuchten wir natuerlich den Hafen, sowie “das blaue Haus am Abhang”, das ich auf einem Foto im Internet entdeckt hatte und umbedingt in echt sehen wollte. Wir liefen noch eine ganze Weile durch die verwinkelten Strassen und entdeckten immer wieder neue gefaehrlich am Abhang stehende Haeuser. Den Abend verbrachten wir dann in der Wohnung von Mariannes Cousin mit ein bisschen Gitarrrenmusik sodass ich auch ein paar neue spanische Lieder lernen konnte 😉 – Nachts gings dann raus zum Feiern in eine grosse Disko, die uebersetzt den seltsamen Namen “Ei” traegt.

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7. Tag:

An meinem Vorletzten Tag kam uns Mariannes Familie in Valparaiso abholen und wir fuhren gemeinsam durch Viña del Mar nach San Antonio wo wir von ihnen in einem traditionellen chilenischen Restaurant zum Mittagessen eingeladen wurden. Weiter fuehrte uns unsere Reise dann zur Isla Negra, wo wir eines der Haeuser von Pablo Neruda, dem wohl beruehmtesten chilenischen Schriftsteller besuchten. Das Haus ist wirklich unglaublich, es liegt in einer Bucht direkt am Meer und ist gefuellt mit Erinnerungsstuecken und Geschenken aus der ganzen Welt! An den kleinen Strassenstaenden, die den Weg zu seinem Haus saeumen konnte ich mir dann auch gleich noch ein paar kleine Souvenirs kaufen, denn am naechsten Tag sollte mein Urlaub ja schon wieder vorbei sein.

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8. Tag:

Koffer packen um ab in den Transfer zum Flughafen, hiess es am Montag morgen. Recht frueh kam ich dann auch am Flughafen an – nur um mir sagen zu lassen, dass mein Flug mindestens 2 Stunden Verspaetung haben wird. Aber egal man schenkte mir einen Gutschein fuer das Buffet eines der Flughafenrestaurants und dort traf ich auf eine nette alte Dame, die auch auf den Abflug nach Asunción warten musste (Leute die mich schon laenger kennen werdens es kaum glauben aber ICH habe sie tatsaechlich gefragt ob sie auch nach Asunción fliegt da sie so alleine an ihrem Tisch sass wie ich 😉 😀 ). Also taten wir uns  ganz spontan zusammen und assen gemeinsam zu Mittag. Da hab ich mal wieder gemerkt wie gut mein Spanisch mittlerweile geworden ist, denn wir haben uns wirklich ueber Gott und die Welt unterhalten :). Spaeter zeigte sie mir noch wo man am Flughafen kostenlos Schokolade naschen kann und so verging die Wartezeit wie im nu. Vorm Boarding traf ich dann noch glatt meinen Chef aus dem Techo Buero, der gerade aus dem Hauptbuero aus Chile kam, so konnte ich zum Glueck ueber Facebook meine Gastfamilie informieren, dass mein Flug sehr viel Verspaetung haben wird. Nach einem anstrengenden aber auch lustigen Tag traf ich dann gegen Abend endlich wieder Zuhause ein!!

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Das war damm wohl meine erste Reise auf die suedamerikanische Art, wir deutschen haetten wohl noch mehr Aktivitaeten in jeden Tag hineingequetscht und man haette vll noch mehr sehen koennen ;). Aber so war es alles sehr entspannt und wirklich wunderschoen und ich bin meiner Gastschwester und allen anderen so unglaublich dankbar das sie mir diese Reise ermoeglicht haben :).

 
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Posted by on December 12, 2012 in Paraguay

 

Normal?

Einfach Unterschiede oder Besonderheiten, die mir konkret in meinem Umfeld in Paraguay, im Vergkleich mit dem in Deutschland aufgefallen sind. Falls jemand irgendwelche Fragen dazu hat oder sonst iwas loswerden will – nur zu!

  • Klopapier, wird  hier wie in vielen Laender, in denen das Abflusssystem nicht so super ist, in den Muelleimer geworfen (hoffentlich kann ich mich in Deutschland dann auch schnell wieder umgewoehnen 😀 )
  • Busse halten wann immer man die Hand ausstreckt (es sei denn sie haben gerade keine Lust), zum aussteigen muss man entweder einen Knopf druecken oder an einer Schnur ziehen
  • Mangos kann man hier einfach von der Strasse aufsammeln, oder auch im Garten von meinem Buero ernten ❤
  • Hier gibt es keinen “Warmwasserhahn” zum Beispiel in der Kueche, Duschwasser wird durch einen Durchlauferhitzer im Duschkopf erhitzt, diesen kann man meist mit einem Schalter aehnlich wie der, des Deckenlichts an- und ausschalten
  • Teewasser wird in der Mirkowelle anstatt im Wasserkocher erhitzt
  • Wenn Waesche mit der Hand gewaschen wird passiert das auch mit kaltem Wasser
  • Tereré wir in alle Lebenslagen getrunken, dazu wird in der Thermo Wasser und Eis transportier und in der Guampa (dem “Becher”) Yerba – Teepulver. Es gibt einige informelle Regeln, die beim trinken mal mehr und mal weniger eingehalten werden. Man trinkt nicht direkt nach oder vor dem Essen, nicht wenn man Kaugummi kaut oder gerade raucht, ausserdem “serviert” normalerweise der juengste in der Runde den Tereré fuer alle.
  • Viele Menschen schmeissen ihren Muell hier einfach auf die Strasse (es gibt leider auch selten Muelleimer in denen man den Muell loswerden kann… also laufe ich regelmaessig mit jeder Menge Muell rum)
  • Da wir uns hier auf der Suedhalbkugel befinden kann es schon einmal passieren, dass der Mond einen anlaechelt
  • Begruesst wird sich hier mit zwei Kuesschen sowohl unter Frauen als auch zwischen Frau und Mann, Maenner unter sich begruessen sich mit Handschlag ;). (Auch voellig fremde Leute werden gleich mal abgeknutscht.)
  • Oftmals, besonders auf dem Land, haben die Haeuser keine Tuerklingeln dann wird geklatscht was das Zeug haelt. Nein, im Ernst man stellt sich vor die Tuer oder das Tor und klatscht einige Male kraeftig in die Haende
  • Gelegentlich finden Asados (Grillpartys), einfach mitten in der Strasse statt. Die Leute bauen ihren Grill auf und grillen was das Zeug haelt – und das Fleisch hier ist einfach fantastisch 🙂
  • Mc Donald`s, hat hier genauso wie Pizza Hut und eigentlich fast jedes ander Fast Food Restaurant einen Liefer Service, sogar Bier kann man hier am Telefon bestllen und sich zur Haustuer liefern lassen
  • Hamburger (nicht die von Mc Doof, sondern die von den kleinen Strassenstaenden und Localen Fast Food Ketten), werden zumeist in kleinen Plastiktueten verkauft und oben drin steckt ein Zahnstocher. Das hat einige Vorteile ;), zunnaechst kann man den Buerger noch selbst mit Sossen und anderen Dingen fuellen ohne das irgendetwas rausfaellt, man saut sich nicht so fuerchterlich ein und der Zahnstocher haelt nicht nur den Burger in der Tuete…
  • “En un rato” – in einem Moment, kann sowohl 5 Minuten als auch mehrere Tage heissen. Generell sind Zeitangaben nicht immer zu eng zu sehen 😉
  • Popcorn wird gesalzen (ist sowieso viel leckerer so

*Danke an Peter und Melly für die Unterstützung, es war nicht ganz einfach diese Dinge die für uns schon wieder Alltag sind aus meinem grauen Hirnzellen zu suchen ;).

 
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Posted by on November 20, 2012 in Vorbereitungszeit

 

Zusammenfassungen ;)

Ja ich hab mich wirklich einige Zeit nicht gemeldet und in meinem letzten Post gab es zwar ein paar Interessante Dinge über mein Projekt zu lesen aber doch eher wenig über den Rest der Dinge, die ich hier im wunderschönen Paraguay so treibe, da ich es irgendwie nie zustande bringe meine angefangenen Texte zu vervollstaendigen habe ich mir ueberlegt einfach alles ein bisschen kuerzer Zusammenzufassen.

Freizeit:

Schon längere Zeit hatte ich mir vorgenommen meinem steifen, deutschen Körper mal ein bisschen Latinablut einzuimpfen und wie geht das besser als mit ein bisschen Salsa :). Vor einiger Zeit hab ich mich also mal umgehört wo es hier in meiner Nähe Salsaunterricht gibt, gemeinsam mit einem anderen Freiwilligen gehe ich  in eine kleine Tanzschule nur 10min von mir entfernt. Ich muss sagen es bringt einen riesen Spaß auch wenn wir beide wohl noch eher “deutschen Salsa” tanzen sind wir doch auf dem richtigen Weg 😀

Gesundheit:

Ja mal sehen grundsaetzlich geht es mir gesundheitlich bis auf gelegentliche Magenprobleme und Mueckenstiche super ;). Allerdings habe ich mir vor einiger Zeit den Finger boese entzuendet und da das ganze auch nach einer Woche nicht besser wurde, sondern eher schlimmer machte ich mich dann auf zum Arzt. Am Ende des Tages war ich um ca. 80€ aermer und um eine Tetanusimpfung (danke an meine deutsche Aertztin fuers ueberpruefen meines Impfschutzes :-/ ), Antibiotikum, eine Salbe und eine Jodseife reicher. Das ganze war ein ziemlich unangenehmes unterfangen, denn ich wusste zwar, dass ich die Kosten fuer Arztbesuche vorstrecken muss, da wir weltwaertsler privatversichert sind… aber mir war nicht bewusst, dass man fuer ein 5 Minuten Gespraech mit dem Arzt 220.000 Guaranis bezahlen muss, das hat mich schon ziemlich geschockt!

Meinem Finger geht es nun wieder gut (leider muss ich mich von einem Teil meines Nagels wohl kurzfristig verabschieden), allerdings frage ich mich seit diesem Tag haeufig wie viele Menschen hier mit diesem Gesundheitssystem klar kommen koennen. Zwar sagte man mir, das in den oeffentlichen Krankenhaeusern die Behandlung groesstenteils kostenlos ist und auch Impfungen werden zum Teil umsonst an Kinder vergeben, aber da ich durch meine Arbeit im Buero von Techo weiss, was einige Familien hier im Monat verdienen ist es hier fuer viele wohl schon sehr schwierig sich im Falle einer Krankheit/eines Unfalls medizinisch versorgen zu lassen. Da kann man sich in Deutschland wirklich gluecklich schaetzen und diese kleine Krankenkassenkaertchen nimmt uns da doch sehr sehr viele Sorgen!

Urlaub:

Es ist nun wirklich schon wieder etwas her, dass ich fuer ein Wochenende gemeinsam mit meiner Gastmutter, meiner Cousine, deren Freund und einem andere Frewilligen, der bei den beiden wohnt nach Ciudad de Elste gefahren bin, trotzdem moechte ich euch das nicht vorenthalten! Wobei unser eigentliches Ziel Brasilien hiess! Dort wollten wir uns die “Cataratas de Igazu” anschauen, die Igazu Wasserfaellen. Das sind zumindest der Breite nach die groessten Wasserfaelle der Welt, die sowohl auf dem Gebiet Argentienens als auch Brasiliens liegen. Es ist wirklich unglaublich diese Wassermassen in die tiefe stuerzen zu sehen, wenn man dann noch die kleinen schwarzen Voegel sieht, die sich todesmutig in die Wassermassen stuerzen, weil ihre Nester hinter den Wasserfaellen liegen kann man einfach nur noch mit offenem Mund da stehen und staunen. (Wenn ich zuhause an meinem PC bin werde ich noch einige Fotos von den Wasserfaellen hochladen).

Meine naechste Reise steht auch schon an und zwar fliege ich am 26. fuer 8 Tage nach Chile. Gemeinsam mit meiner Gastschwester (die aber schon 3 Tage eher fliegt und 25 Tage bleibt), werde ich in der Wohung eines Cousins wohnen und gemeinsam mit ihm und einer chilenischen Freundin werden wir Santiago und Umgebung erkunden. Ich freue mich schon riesig und strenge mich an auch zeitnah davon zu berichten.

TECHO:

Bei Techo, stand vor ein paar Tagen meine naechste Konstruktion an. Diesmal war es eine sogenannte “Construcción Coroparativa” – eine Konstruktion in der ein Unternehmen (in diesem Fall Cervepar – der groesste Bierproduzent Paraguays) gemeins mit seinen Angestellten baut. Das Unternehmen finanziert in diese Fall nicht nur die Haeuser, die gebaut werden sondern muss pro gebautem Haus ein 2. Haus bezahlen, das dann in einer spaeteren Konstruktion mit Studenten gebaut werden kann. Von Freitag auch Samstag bauten wir mit ueber 100 Freiwilligen 10 Haeuser, was wirklich viel ist, denn sonst kann es schon mal vorkommen, dass man pro Haus nur 3 oder in Extremfaellen sogar nur 2 Freiwillige zur Verfuegung hat!

Die Familie mit der ich baute bestand aus einer schwangeren Jugendlichen und deren Eltern, den Vater der Familie lernten wir gar nicht kennen, denn Techo baut nur mit Familien, die eine Arbeit haben und er bekam leider nicht frei um an der Konstruktion seines Hauses teilzuhaben. Mit der Mutter konnte ich mich aber einige Zeit unterhalte und es war wirklich beruehrend wie sehr sie sich freute das wir da waren. Sie erzaehlte, dass sie schon den ganzen Morgen gewartet hatte, das wir kommen. Als wir dann den Huegel runter ins Asentamiento liefen – ueber 100 Freiwillige in weissen Techo T-shirts, so sagte sie glaubte sie wir seien Engel die zur ihr herunter kommen um hier zu helfen ihren Traum von einem sicheren Haus zu verwirklichen. Ich war wirklich beruehrt wie wichtig ihr unsere Arbeit ist und stolz hier helfen zu duerfen.

Die naechste Konstruktion an der ich teilnehmen werde wird wohl vom 14.-16. Dezember sein, das macht mir ein bisschen Angst, denn schon dieses Mal hat die Sonne uns ganz schon uebel zugesetzt. Aber andererseits welch schoeneres Weihnachtsgeschenk gibt als es mit einer Familie ein Haus fuer sie zu bauen.

Im Buero laeuft es insgesamt auch ganz gut. Zwar hatte ich erwartet mehr tun zu koennen, aber ich habe mich mitlerweile daran gewoehnt nicht immer beschaeftigt zu sein. So macht es mich dann um so stolzer, das ich vor einigen Tagen einige Listen fertiggestellt habe und mir nun alle Kollegen aus dem Buero dafuer danken und mir dazu gratulieren, denn nun haben wir zum ersten Mal eine Liste mit allen Familien, die ein Techo-Haus besitzen, mit allen Familien die Techo noch Geld zahlen muessen beide sortiert nach Stadt und Asentamiento, sowie eine Liste mit allenKonstruktionen von 2010 bis 2012. Das Erstellen der Listen war nicht wirklich schwer, aber zeitauffwendig und da hier alle ihren festen Aufgaben nachgehen bleibt fuer so etwas dann eben selten Zeit, so kann ich in solchen Momenten gut aushelfen und Aufgaben uebernehmen die sonst liegen bleiben wuerden.

Familie:

Die Familie hat in Paraguay wirklich einen enorm wichtigen Stellenwert und ich bin froh so gut mit meiner Gastfamilie auszukommen, sie sind wirklich super, denn hier wird viel Zeit gemeinsam mit der Familie verbracht! Auch entferntere Verwandte werden ganz einfach als Onkel, Tante oder Cousin vorgestellt und auch so behandelt. Meine deutsche Familie ist zwar schon gross, aber hier nimmt das dadurch, das jeder, der irgendwie mit einem verwandt ist als Familie bezeichnet wird noch einmal ganz andere Dimensionen an.

Weihnachtszeit?:

Ja bald ist es wieder so weit, der Duft von Keksen liegt in der Luft, der Kamin prasselt, draussen scheint es nur noch dunkel zu sein und man zieht die dicken Winterhandschuhe an… Nur, dass das hier diese Jahr wohl alles ein bisschen anderes ablaufen wird. Temperaturen bis zu 52 Grad, Sonne, Plastikbaeume und ueppige Lichterketten. Mein zweites Weihnachten in einem Land auf der Suedhalbkugel steht an und ich hab mich noch kein bisschen dran gewoehnt :D.

So das wars ersteinmal von mir! Liebe Gruesse aus dem heissen Paraguay.

 
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Posted by on November 20, 2012 in Paraguay

 

Dia mundial de la erradicación de la pobreza

Mit einiger Verspätung möchte ich über den “Dia mundial de la erradicación de la pobreza” berichten – oder eben der “Welttag zur Überwindung der Armut”, der 1992 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen etabliert wurde um:

  • den Widerstand der von Armut betroffenen Menschen gegen Elend und Ausgrenzung würdigen
  • den Not leidenden und ausgegrenzten Menschen Gehör verschaffen und mit ihnen ins Gespräch kommen
  • sich mit den Allerärmsten dafür einsetzen, dass die Rechte aller wirklich für alle gelten

(Zitat Wikipedia).

Da Techo ja eben genau mit den von extremer Armut betroffenen Menschen  arbeitet konnte dieser Tag natürlich nicht einfach ganz normal im Bürostuhl verbracht werden. Wir machten uns also auf ins Centro zum “Panteon de los Heroes”, wo für unser Anliegen extra eine Straße gesperrt wurde und sich schon eine doch recht große Menschenmasse angesammelt hatte. Besonders viele alte Menschen aus den Vierteln in denen Techo arbeitet hatten sich auf dem Platz versammelt. Es gab verschiedene Ansprachen sowohl von der “Directora Socail” von Techo, meiner Chefin also, als auch von Menschen, die für kleinere Projekte, die direkt in den Barrios gebildet wurden arbeiten. Außerdem gab es noch ein ganz besonderes Spektakel, ein kleines Konzert eines “Recycle-Orchesters”, in diesem Orchester waren alle wirklich alle Instrumente aus Müll hergestellt inklusive Geigen und Blechblasinstrumenten. Klar einige Details, wie zum Beispiel der Geigenkopf sind wie bei einem normalen Instrument, der Klangkörper, der Geige besteht dann aber zum Beispiel aus alten Blechen. Leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit in die Werkstatt in der diese Instrumente hergestellt werden zu fahren, ich bin aber gerade dabei über meine Kollegen im Büro genau dies zu schaffen ;). Dazu werde ich dann bestimmt eine andere Freiwillige und Freundin aus Deutschland mitnehmen, die begeisterte Musikerin ist und als ich ihr von dem Orchester erzählt hab schon leuchtende Augen bekommen hat (okay eigentlich habe ich ihr nur geschrieben, aber ich kann mir vorstellen wie sie sich gefreut hat  :D).

Außerdem hatten 3 meiner Kolleginnen noch Fotos und kleine Geschichten vorbereitet, die zeigten mit was für kleinen Aktionen und Projekten, die Menschen in extremer Armut selbstständig ihre Situation verbessern, diese haben wir auf einer bunten Schnur über den ganzen Platz gespannt so dass jeder selbst  lesen und die tollen Fotos begutachten konnte. Zudem gab es noch ein großes Poster auf dem jeder, der wollte aufschreiben konnte, was er selbst ganz konkret gegen die Armut tun kann/möchte/wird. So sollte man sich symbolisch dazu verpflichten diese Dinge auch einzuhalten.

Insgesamt war das eine sehr schöne und Gelungene Veranstaltung, die trotz extremer Mittagsonne/-Hitze sehr gut besucht war. Nachdem alles aufgeräumt war habe ich dann noch mit einigen Kollegen ein nettes Mittagessen im Centro genossen, bevor wir uns wieder auf den Weg zurück ins Büro gemacht haben.

(Leider habe ich von diesem Tag keine Fotos, da ich im Voraus nicht darüber Bescheid wusste, ich werde aber versuchen einige von meiner Kollegin zu bekommen und wenn ich es schaffe die Instrumentenwerkstadt zu besuchen gibt’s spätestens dann Fotos zu sehen.)

Liebe Grüße vom anderen Ende der Welt,

Lisa

 
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Posted by on October 24, 2012 in Paraguay

 

Was ist eigentlich wirklich wichtig?

– Es hat mich wirklich viel Zeit und einige Anläufe gekostet bis ich diesen Text fertig geschrieben habe (mitlerweile habe ich schon meine 2. Konstruktion hinter mir), aber es fiel mir wirklich schwer… seht einfach selbst, ich denke die Fotos in meinem Facebookalbum helfen einen besseren Eindruck zu vermitteln. –

Es ist einige Zeit vergangen seit ich das letzte Mal geschrieben habe, es ist auch einiges passiert, so gab es zum Beispiel einen schlimmen Tornado, hier in Paraguay. Mein direktes Umfeld hat er zum Glück nicht so stark betroffen aber etwas außerhalb, waren Strom und Wasser einige Tage aus und 5 Menschen hat dieses Unwetter sogar ihr Leben gekostet.. Aber davon will ich jetzt nicht weiter berichten, dieser Blog Eintrag soll viel mehr von meiner ersten Konstruktion mit meinem Projekt TECHO handeln.

Am Donnerstag wurde ich ganz spontan gefragt ob ich nicht schon an diesem Wochenende mit auf eine Konstruktion kommen wolle (ursprünglich war ich erst für die große Konstruktion am nächsten Wochenende eingeplant), da ich schon lange auf die Konstruktion hin gefiebert habe, habe ich natürlich nicht nein gesagt. Noch ziemlich unwissend was genau mich nun wirklich erwarten sollte packte ich einige Sachen in meinen Backpacker und verließ mich darauf, das für alle evtl. vergessenen Sachen schon irgend eine Lösung gefunden würde. Zusammen mit einer Freundin, die als Freiwillige bei Techo tätig ist machte ich mich mit dem Bus auf ins Büro (was mit meinem großen Rucksack und ihren beiden Taschen echt nicht so ganz einfach war). Im Büro angekommen packten wir dann noch einiges an Materialien zusammen (Nägel, Schippen, Schrauben, Schaufeln,…) und machten uns mit einem Geländewagen auf nach Luque.

Wie bei meinem letzten Besuch im Asentamiento fand ich es zunächst bedrückend dort zu sein, ich fühlte mich richtig schlecht, weil es einfach so unfair ist, dass manche Menschen so viel haben und anderen nur so wenig und das ich das Glück habe mir keine Sorgen um mein nächstes Essen zu machen oder ob mein Haus den nächsten Sturm wohl sicher überstehen wird. Aber für solche Gedanken blieb nicht lange Zeit (und schließlich bringt grübeln ja auch nichts), denn  der Laster wollte mit den vorgefertigten Holzwänden und Fußböden beladen werden um sie dann am Grundstück der Familie abzuladen. Dazu waren wir ungefähr 6 Freiwillige und viele Mitglieder der Familien und deren Nachbarn die alle fleißig mit anpackten. Ich musste mich zwar zunächst ein bisschen dagegen wehren, dass ich als “Frau” ja nicht so viel tragen darf, aber nach einiger Zeit war das dann auch kein Problem mehr ;). Als alles fertig abgeladen war fuhren wir zurück zum Büro, dort warteten auch schon die ersten Schüler, da dies eine Konstruktion mit Schülern sein sollte. Nach einer kurzen Ansprache und einem kleinen Video ging es dann auch im Bus für alle los in die Schule, in der Nähe des Asentamientos, in der wir schlafen sollten. Dort gab es noch etwas zu essen und dann gingen alle auch bald schlafen um für den nächsten Tag gerüstet zu sein.

Gemeinsam mit meiner Cuadrillia machte ich mich am nächsten Tag früh morgens gehen 7 Uhr auf zu unserer Familie, mit der wir gemeinsam ein Haus bauen wollten. Diese Familie besteht aus den beiden Eltern sowie 5 Söhnen und 2 Töchtern, der Älteste ca. 12, die Jüngster etwas mehr als ein Jahr. Diese Familie lebte vor der Konstruktion in einer selbstgebauten Behausung aus Holzlatten, die in etwa so groß ist das ein Doppelbett und 2 Einzelbetten hineinpassten. Die Häuser von TECHO sind 3×6,1m groß, also auch keine Luxusvilla aber immerhin ein Verbesserung. So erzählte und Anna (die Mutter), dass sie die Küche in das alte Haus verlegen wolle, damit sie nicht mehr draußen kochen muss und im Haus von TECHO soll dann endlich mehr Platz für sie und die Kinder zum schlafen sein.

Am ersten Tag sollten 15 Grundpfosten in den Boden gebracht werden sowie die 3 Bodenplatten darauf genagelt werden. Dieses Pensum konnten wir zum Glück auch gut einhalten. Am 2. Tag stand dann „der Rest“ an, das Haus wird aus 6 vorgefertigten Wänden zusammengesetzt, die insgesamt 3 Fenster und eine Tür enthalten. Danach muss natürlich noch das Dach errichtet werden. Bei all diesen Arbeiten half uns der Vater, der Familie und auch die Kinder halfen wo sie konnten, während die Mutter für uns alle ein köstliches Essen kochte. Aus Platzmangel und wegen fehlendem Geschirr aßen wir unser Mittagessen „juntos“ – zusammen. So hatte ich schnell die kleine 7 Jahre alte Lujan auf meinem Schoß und teilte mir mit ihr Reis, Hühnchen und Saft. Als wir das Dach abgeschlossen hatten ging es ans Schmücken, die Familie wurde schnell wieder aus ihrem Haus herausgescheucht  😉 damit wir Luftballons und Kreppbänder aufhängen konnten. Außerdem bastelten wir ein Willkommensschild und aus der übriggebliebenen Isolierfolie silberne Kronen für die Kinder. Als die Familie dann endlich ihr Haus betreten durfte haben die strahlenden Gesichter einem tausendmal zurückgezahlt was man an diesem Wochenende geleistet hatte. Alle Schmerzen, der Dreck, die Müdigkeit und die kleinen Verletzungen waren vergessen und ich habe mich einfach nur gefreut, dieser wundervollen Familie helfen zu können ihr Leben wieder ein kleines bisschen zu verbessern. Denn das Haus von Techo soll nur ein Anstoß sein, den Familien die Kraft und das sichere Zuhause bieten die nötig sind um ein lebenswerteres Leben anzustreben.

Als wir uns im dunklen dann von unserer Familie verabschiedeten viel es mir schon ein wenig schwer zu gehen, Lujan kam 5mal auf mich zu umarmte mich und sagte mir ich solle auf mich aufpassen. Und auch die anderen Kinder sowie die Eltern waren uns an diesem Wochenende sehr ans Herz gewachsen, denn Techo bedeutet viel mehr als nur ein Haus zusammen zubauen.

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Posted by on October 5, 2012 in Paraguay